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Die majesthetische Lehre oder „ein Kochbuch der Majesthetik“

Abb. 1: Da Vincis Lehre.
Abb. 1: Da Vincis Lehre.

Die „majesthetische Lehre“ ist ein Schulungskonzept zum detaillierten Erlernen der von ZTM Achim Ludwig entwickelten majesthetischen Arbeitsweise. Es stellt neben ästhetischen bzw. multifunktionellen Aspekten auch ethisches Handeln in den Mittelpunkt. Es ist ein, nach der Lehre Leonardo Da Vincis ausgerichtetes, didaktisch in sich aufbauendes Kurssystem, das mit der Ausbildung zum Majesthetiker ein hohes Ansehen auf internationaler Ebene erreicht hat. Nachfolgend beschreibt er sozusagen die wichtigen Zutaten für dieses Konzept – ein Kochbuch der Majesthetik“.

Die Wortschöpfung „Majesthetik“ findet ihren Ursprung in der Lehre Leonardo Da Vincis, und zwar im Sinne eines königlich, ästhetisch und ethischen Lebensweges und Handelns. Das Leben und Wirken Leonardos kann man als die Essenz des majesthetischen Gedankens verstehen.

Der Grundstein dieser Ausbildung wurde in einer sehr kleinen, fast privaten Runde bzw. Atmosphäre gelegt. Im Jahr 1994 trafen sich interessierte und befreundete Kollegen in Bonn zu einem Workshop, um unter meiner Anleitung mehr über eine Arbeitsweise zu erfahren, die heute unter dem Namen „Freiburger Schule“ bekannt ist. Dieser Workshop trug den Arbeitstitel „Dentale Formen und Strukturen“. Hieraus hat sich im Laufe der Jahre nach der Gründung meines Labors „Da Vinci Dental“ ein umfangreiches Kursprogramm entwickelt.

Aus dem ursprünglichen Workshop wurde eine 3-teilige Reihe, eng mit der Lehre Leonardos verknüpft, aber auch mit der Lehre des Freiburger Meisters Rainer Semsch, von der ich noch heute zehren darf. Auf der Freiburger Meisterschule unter seiner Leitung lernte ich eine ganz andere Welt der Zahntechnik kennen. Während sich in den Meisterschulen meiner Heimat noch alles um Federwaage und Reibahle drehte, vermittelte Rainer Schemsch uns die hohe Bedeutung von Ästhetik und Funktionalität auf eine Art und Weise, wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Ich war voller Energie und Tatendrang und das Interesse meiner Bonner Kollegen an diesen Erfahrungen war sehr groß.

Die Zutaten

Die wichtigste Zutat der Majesthetik ist sprichwörtlich die Liebe – die Liebe zu seinem Beruf. Nur wer seine Berufung liebt, kann darin mit Freude erfolgreich sein. Bei der Auswahl der Materialien gilt: Das Beste ist gerade gut genug – aber auch hiervon nicht zu viel. Der majesthetischen Lehre liegt ein minimalistisches Prinzip zugrunde, welches auch in der Natur – nach Leonardo unsere größte Lehrmeisterin – zu finden ist. Gerade beim Thema Keramik ist die von uns Zahntechnikern oft vertretene Auffassung „viel hilft viel“ ein Trugschluss. Man sollte zunächst ein minimalistisches Schichtungskonzept beherrschen und lernen, welch reichhaltige Möglichkeiten an Ergebnissen wir mit nur 3 Massen erarbeiten können.

Die „Majesthetikschüler“ sind oft schon im 1. Kurs tief beeindruckt, was man nur mit Dentin, Schneide und einer einzigen Transpamasse zaubern kann. Vorher wird aber intensiv mit den Zahnformen gearbeitet; es gibt viele Übungen, welche mit einer typenspezifischen Oberflächentextur einhergehen. In den 2-Tages-Kursen ist daher immer der 1. Tag der Form und Oberfläche gewidmet, die in Wachs trainiert wird (Abb. 2 bis 4).

  • Abb. 2 u. 3: Formenstudie Wax-up.
  • Abb. 3.
  • Abb. 2 u. 3: Formenstudie Wax-up.
  • Abb. 3.

  • Abb. 4: Beste Zutaten für den Erfolg.
  • Abb. 4: Beste Zutaten für den Erfolg.

Die Gewürzmischung

  • Abb. 5: Lippenbild/Porträtstudien.

  • Abb. 5: Lippenbild/Porträtstudien.
    © Ludwig
Die majesthetische Lehre beinhaltet jedoch nicht nur die praktische Umsetzung. „Lerne zuerst die Theorie und dann die Praxis kennen“, ist Leonardos Empfehlung. Zähne sind nicht nur Werkzeuge, sondern kleine Wesen im Spiegel der Persönlichkeit. Wir studieren daher die ästhetischen Wechselwirkungen von Zähnen im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen. Mimische Bewegungsstudien der Mund- und Lippenpartie gehören ebenso dazu wie Porträtstudien zur Berücksichtigung des gesamten Erscheinungsbildes. Wir lernen das „Baukastenprinzip“ der Natur kennen und sehen die Gleichheit aller Zähne, die Verbindungsglieder zwischen Front- und Seitenzahn (Abb. 5).

  • Abb. 6: Anke Reuter (links) beim Ästhetikseminar auf Schloss Drachenburg.

  • Abb. 6: Anke Reuter (links) beim Ästhetikseminar auf Schloss Drachenburg.
    © Ludwig
Das Sahnehäubchen des Ausbildungssystems bilden z.B. die Ästhetikseminare auf Schloss Drachenburg, in denen die natürlichen Grundlagen der Ästhetik vermittelt werden. Hier geht es sozusagen ans Eingemachte. Nach einem solchen Seminar sieht man die Welt mit anderen Augen, weiß z.B. die Teilnehmerin Anke Reuter aus Boppard zu berichten (Abb. 6).

Die Zubereitung und Anwendung

Am deutlichsten zeigt sich das Schulungsergebnis jedoch im Alltag. Das Arbeiten fällt leichter, weil man auf kürzeren Wegen zu besseren Ergebnissen gelangt. Durch die Arbeit mit der Form in Wachs wird selbst die herausforderndste Situation beziehungsweise Schichtung kein „Zufallsprodukt“ mehr. Eine erfolgreiche Fortbildung liegt immer in der gegenseitigen Wertschätzung des Kursleiters zu seinen Kursteilnehmern. Die Power der Majesthetik-Inhouse-Schulungen besteht darin, dass der Same des majesthetischen Gedankens im Team verankert wird. So kann in den Tagen und Wochen nach der Schulung diese wunderbare Philosophie weiterwachsen und der gegenseitige Austausch hält das Erlernte lebendig und stärkt nebenbei die Gemeinschaft (Abb. 7 bis 10).

  • Abb. 7: Majesthetik im Heimlabor.
  • Abb. 8–10: Eine Arbeit der Majesthetik. Majesthetik-Gingiva und -Texturpuder aus der speziell für die majesthetische Technik entwickelten Majesthetik-Line von Picodent erleichtern den Weg zum Erfolg.
  • Abb. 7: Majesthetik im Heimlabor.
  • Abb. 8–10: Eine Arbeit der Majesthetik. Majesthetik-Gingiva und -Texturpuder aus der speziell für die majesthetische Technik entwickelten Majesthetik-Line von Picodent erleichtern den Weg zum Erfolg.

  • Abb. 9.
  • Abb. 10.
  • Abb. 9.
  • Abb. 10.

Wertvolle kleine Küchenhelfer: die Majesthetik-Line von Picodent

  • Abb. 11: Rainer Semsch und Achim Ludwig – Lehrer/Schüler.

  • Abb. 11: Rainer Semsch und Achim Ludwig – Lehrer/Schüler.
    © Ludwig
Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist etwas sehr Besonderes. Lehrer zu sein, bedeutet Verbindung. Es ist etwas Wunderbares, einen Lehrer zu haben, dem man nacheifern kann, der einem die Gelegenheit gibt, neue und inspirierende Horizonte zu entdecken. Daher gilt mein Dank an dieser Stelle meinem Lehrer und Mentor Rainer Semsch, der mir im richtigen Moment den Rat gab: „Lehre und gebe Kurse, das ist der beste Weg, sich immer weiterzuentwickeln“ (Abb. 11).

Das Kochbuch der Majesthetik ist für Gourmetrestaurants geschrieben, in dem eine klare Aufgabenverteilung zwischen dem Restaurantchef und dem Chef de Cuisine herrscht. Arbeiten beide respektvoll auf gleicher Augenhöhe und Hand in Hand, ist der Erfolg vorprogrammiert.

Das ist in unserer Branche nicht anders. Auch hier bedarf es eines Zusammenspiels von Zahntechnik und Zahnmedizin. Jede „majesthetische Arbeit“ beginnt mit einem Patientengespräch. Es folgen die Planung im Labor per Wax-up-Herstellung, Präparationsstudien und -schablonen und eine gemeinsame Preiskalkulation. Erst nach einer sich anschließenden Zeitplanung, die wieder in gemeinsamer Absprache erfolgt, kommt die Präparation. Man muss jedoch beachten: Gut Ding will Weile haben, das gilt nicht nur für ein gutes Essen, sondern erst recht für majesthetische Zähne. Wer sich an dieses Rezept hält, darf königlich-ästhetisch-ethische Resultate erwarten, zum Wohle aller.

Informationen zu den majesthetischen Schulungen

Weitere Informationen zu den majesthetischen Schulungen finden Sie beim Majesthetik Centrum Deutschland.


Danksagung:

Dieser Artikel ist Frau Dr. Gisela Peters gewidmet, die das Zahntechnik-Magazin über mehr als 10 Jahre mitverantwortet und gestaltet hat. Leider ist sie im vergangenen Jahr zu früh verstorben. Sie hatte die großartige Idee eines „majesthetischen Kochbuches“, das nunmehr ein fester Bestandteil meiner Schulungen geworden ist.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Achim Ludwig