Veranstaltungen

Experten-Symposium „Vollkeramik und Implantatprothetik“ in Münster

Konzeption und Materialien

Im Oktober 2015 fanden zwei zahntechnische Experten-Symposien der Competence-Fortbildungsserie (Ivoclar Vivadent, Ellwangen) statt. Mehr als 300 Teilnehmer erlebten am 10. Oktober 2015 in Heidelberg und am 24. Oktober 2015 in Münster jeweils acht Referenten, die zum Thema „Vollkeramik und Implantatprothetik“ mit Fachkompetenz und Leidenschaft begeisterten. Auch für 2016 sind bereits Veranstaltungen terminiert. Los geht es im April in Rottach-Egern am Tegernsee.

  • Abb. 1: Das Referententeam (v. l.): Michael Donhauser, ZTM Annette von Hajmasy, ZTM Hans-Joachim Lotz, ZTM Andreas Kunz, ZTM Jan-Holger Bellmann, ZT Uwe Gehringer und ZT Andreas Nolte.

  • Abb. 1: Das Referententeam (v. l.): Michael Donhauser, ZTM Annette von Hajmasy, ZTM Hans-Joachim Lotz, ZTM Andreas Kunz, ZTM Jan-Holger Bellmann, ZT Uwe Gehringer und ZT Andreas Nolte.
Komprimiertes Wissen zu neuen und bewährten Materialien, evidente Methoden und aktuelle Studien so können die deutschlandweit stattfindenden Experten-Symposien und Intensiv-Seminare von Ivoclar Vivadent in einem Satz manifestiert werden. Erfolgsgarant der beiden zahntechnischen Experten-Symposien Vollkeramik und Implantatprothetik 2015 war das harmonische Referenten-Team: ZTM Annette von Hajmasy, ZTM Jürg Stuck, ZTM Andreas Kunz, ZT Uwe Gehringer, ZTM Carsten Fischer, ZTM Hans-Joachim Lotz, ZTM Jan-Holger Bellmann, ZT Andreas Nolte, ZTM Benjamin Votteler und ZT Oliver Brix (Abb. 1). In Münster begrüßte Moderator Michael Donhauser (Leiter zahntechnische Fortbildung, Ivoclar Vivadent) mehr als 150 Teilnehmer. Der Kongress präsentierte eine gesunde und ehrliche Mischung aus dem handwerklichen Leben in einer digitalisierten Welt. Die authentischen Vorträge machten den Tag kurzweilig.

Einblicke in das Vortragsprogramm

Next Composite!

ZTM Annette von Hajmasy (Köln) widmete sich dem komplexen Thema der Komposit-Materialien. Während einer Live-Demonstration präsentierte sie die KomPress-Überpresstechnik mit dem SR Nexco-System (Ivoclar Vivadent).

Ausgangspunkt ist das Set-up, welches individuell nach einem konsequenten Konzept am Patienten erarbeitet worden ist. Mit Hilfe einer speziellen Küvette (SR Nexco Flask) wird das Wax-up mit Hartsilikon eingebettet und mit transparentem Silikon ummantelt. Nach dem Entfernen des Wachsgerüstes wird die vollanatomische Form in Dentin gepresst, mittels CutBack reduziert und mit der SchneidePressung ergänzt. Auf effizientem Weg gelingt so ein harmonisches Zusammenspiel von Zahnform, Oberflächenmorphologie und natürlichen lichtoptischen Eigenschaften. Bei der Live- Präsentation gelang es der Referentin, die praktischen Vorteile vorzustellen.

Im theoretischen Teil des Vortrags beschäftigte sie sich mit der Materialkunde. Die Zusammensetzung des Materials ist für die physikalischen Eigenschaften verantwortlich, so die Referentin. Maßgebliche Parameter für die Beurteilung eines Komposits sind das Elastizitätsmodul, die Biegefestigkeit und die Wasseraufnahme. Wie ihr Vorredner ZTM Andreas Kunz verwies sie auf die Unterschiede zwischen den Materialien: Wir bewegen uns in einer großen Bandbreite von physikalischen Eigenschaften. Speziell der Füllstoffgehalt habe Einfluss auf die Anwendbarkeit, entscheidend seien Korngröße und Verteilung. Je höher der Füllstoffgehalt, desto höher das E-Modul und umso spröder ist das Material, betonte die Referentin. SR Nexco hat einen relativ hohen Füllstoffgehalt (65 Gew.%) und damit sehr gute mechanische Eigenschaften. Das moderate E-Modul sorge dafür, dass das Material nicht spröde ist. Werkstofftechnische Begründung: Das Material besteht zu knapp 20 % aus Mikrofüllern (anorganisch). Dazu addieren sich sogenannte Prä-Polymere, hoch mikrogefüllte Komposite, die industriell ausgehärtet und danach auf die Größe von Makrofüllern (organisch) gebracht worden sind.

Mit dieser Rezeptur ist Nexco SR für ZTM von Hajmasy zu einer echten Alternative geworden. Die Elastizität des Materials und damit die Pufferfunktion im Mund sind ihrer Meinung nach entscheidende Vorteile, denn Kaudruck-Überbelastungen, Abplatzungen oder Brüche werden vermieden. Zudem seien die Polierbarkeit erstklassig und die Plaqueresistenz sowie Abrasionsbeständigkeit sehr gering. Als entscheidende Fürsprecher akzentuierte die Referentin die exakte Umsetzung der Diagnostik (Wax-up), die hohe Homogenität und Qualität des Materials, die reproduzierbaren Ergebnisse sowie die Reparaturfähigkeit (Abb. 2-4).

  • Abb. 2: Das Einbetten des Wax-up in die SR Nexco Flask.
  • Abb. 3: Erste Dentinpressung in der Okklusionskontrolle.
  • Abb. 2: Das Einbetten des Wax-up in die SR Nexco Flask.
  • Abb. 3: Erste Dentinpressung in der Okklusionskontrolle.

  • Abb. 4: Die fertige Restauration aus lichthärtendem Komposit.
Abb. 2-4: © Annette von Hajmasy, Köln
  • Abb. 4: Die fertige Restauration aus lichthärtendem Komposit. Abb. 2-4: © Annette von Hajmasy, Köln

Ziel: Unsichtbarkeit

Den vollkeramischen Restaurationen auf Implantaten in der ästhetischen Zone widmete sich ZT Andreas Nolte, der in Münster ein Heimspiel hatte. Wer den Referenten kennt, weiß, dass die fast spielerische Darstellung seiner Arbeitsmethoden auf einem langen Weg, harter Arbeit und einer hohen Konsequenz basieren. Er beeindruckte in seinem Vortrag mit der Unsichtbarkeit vollkeramischer Versorgungen und plädierte dafür, die zahntechnische Planung nicht auf Messzahlen und digital errechnete Linien oder Ebenen zu reduzieren. Basierend auf einer soliden Planung, einer analytischen Herangehensweise und kreativem Denken agiert er konsequent patientenindividuell. Emotionen, Erwartungen, Lichtoptik, Materialkompositionen und das technische Prozedere prägten seine Ausführungen.

Andreas Nolte gab ebenso wertvolle wie einfache Praxistipps für die Imitation natürlicher Zähne. Z. B. dreht er bei der Analyse der Zahnfarbe im Bildbearbeitungsprogramm die Farbsättigung und den Kontrast nach oben und visualisiert so den differenzierten Farbaufbau eines natürlichen Zahnes. Die Frage nach zementierten oder verschraubten Implantat-Rekonstruktionen beantwortete der Referent anhand von Patientenfällen. Wir sind Grenzgänger. Wenn möglich, versuchen wir auf verschraubte Lösungen zurückzugreifen, aber in bestimmten Fällen entscheiden wir uns für die zementierte zweiteilige Restauration. Als Vorteile durchverschraubter Implantat-Versorgungen nannte er die Vermeidung von Zementresten in einer sensiblen Zone, das einfache Vorgehen beim Eingliedern sowie die bedingte Abnehmbarkeit. Im Falle zementierter Versorgungen sollte der Zementspalt so angelegt werden, dass Zementüberschüsse gut erkennbar sind und somit vollständig entfernt werden können. Das Vorgehen bei der Herstellung von Abutments: Nolte modelliert ein Wachskäppchen (Abutment) auf einer individualisierten Titanbasis und setzt es in Zirkoniumdioxid um. Vor dem Sintern taucht er das Zirkoniumdioxidkäppchen in eine fluoreszierende Lösung und verleiht dem Gerüst so die wichtigen fluoreszierenden Eigenschaften. Für die Verklebung von Titanbasis und Zirkoniumdioxidkrone verwendet der Referent das selbsthärtende Befestigungscomposite Multilink Hybrid Abutment (Ivoclar Vivadent), welches mit seiner hohen Opazität ermögliche, die graue Titanbasis abzudecken (Abb. 5-7).

  • Abb. 5: Die Herausforderung: Implantatprothetische Restaurationin regio 12 bis 25 und großer vertikaler Verlust des Kieferkammes.
  • Abb. 6: Das Ergebnis: Natürliche Balance „Mund und Gesicht“. Es konnte eine faziale Einheit und ein harmonisches Erscheinen geschaffen werden.
  • Abb. 5: Die Herausforderung: Implantatprothetische Restaurationin regio 12 bis 25 und großer vertikaler Verlust des Kieferkammes.
  • Abb. 6: Das Ergebnis: Natürliche Balance „Mund und Gesicht“. Es konnte eine faziale Einheit und ein harmonisches Erscheinen geschaffen werden.

  • Abb. 7: Der Weg: Basierend auf einer methodischen Analytik und kreativem Denken fertigte ZT Nolte ein auf den Implantaten durchverschraubtes, individuell verblendetes Zirkoniumdioxid-Gerüst. Mit der Verklebung auf dem Klebemodell wurde die spannungsfreie Passung gewährt.
Abb. 5-7: © Andreas Nolte, Münster
  • Abb. 7: Der Weg: Basierend auf einer methodischen Analytik und kreativem Denken fertigte ZT Nolte ein auf den Implantaten durchverschraubtes, individuell verblendetes Zirkoniumdioxid-Gerüst. Mit der Verklebung auf dem Klebemodell wurde die spannungsfreie Passung gewährt. Abb. 5-7: © Andreas Nolte, Münster

Fazit

Mit dem außergewöhnlich einfühlsamen Vortrag von ZT Nolte endete ein außergewöhnlicher Fortbildungstag in Münster. Dem Referenten-Team ist es gelungen, die Zahntechniker mit positiven Gefühlen und praxisrelevanten Tipps aus einem spannenden Fortbildungstag zu entlassen. Neben einer bildgewaltigen Sprache und einem fundierten Wissensschatz beeindruckten die Referenten mit konzeptioneller Zahntechnik.

Fortbildung 2016

Auch in diesem Jahr setzt Ivoclar Vivadent wieder neue Akzente für eine nachhaltige Fortbildung und bietet praxisrelevante Experten-Symposien sowie Intensiv-Seminare. Die hochkarätigen Referenten von 2015 werden den teilnehmenden Zahnärzten und Zahntechnikern dann ein Update zu ihren Themen liefern. Das Programm 2016 wird also ähnlich interessant und spannend werden. 


Weitere Informationen:

Jutta Nagler
Tel.: 07961 889-205 
E-Mail: info.fortbildung(at)ivoclarvivadent.com
www.ivoclarvivadent.de/fortbildung

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Annett Kieschnick

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Annett Kieschnick


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