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Nachbericht

Straumann Forum Zahntechnik: Interdisziplinäre Teamarbeit steigert Ergebnisqualität

Blick in das Auditorium. Bildnachweis für alle:
Blick in das Auditorium. Bildnachweis für alle:

Wer sich für „moderne Konzepte und Technologien in der Zahntechnik“ interessierte, der war hier richtig: auf dem Straumann Forum Zahntechnik 2015. Das Unternehmen hatte dazu am 13. November in den Duisburger Gebläsehallenkomplex im Landschaftspark eingeladen. Und rund 150 Teilnehmer waren gekommen, um sich Vorträge namhafter Referenten zu „Technik, Team & Taktgefühl“ anzuhören. Diese Thementrias führte vom Gerüst über die Verblendung zur Befestigung und berücksichtigte Fertigung und Abrechnung ebenso wie die Mitarbeiterführung.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Straumann- Deutschland-Geschäftsführer und -Vertriebsleiter Jens Dexheimer sowie Achim Benda, Straumann-Leiter für digitale Lösungen. In seinen Begrüßungsworten charakterisierte Dexheimer den dentalen Gesamtmarkt aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks als gegenwärtig schwierig. Diese Situation wäre auch durch die vielfache „Konglomeration der Dentalindustrie“ geprägt. Erfreulich sei jedoch, dass sich die stagnierende Marktentwicklung im Jahr 2015 wiederbelebt hat und ein leichtes Wachstum zu verzeichnen ist. Für das Segment der Implantate berichtete er von der Insertion von 450.000 Stück im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland und dass Straumann – auch aufgrund neuer innovativer Angebote wie dem Pure Ceramic Implantat – in diesem Bereich die Poleposition hält.

Benda zeigte zunächst die evolutionäre Entwicklung der digitalen Straumann Angebote auf – zu der heute auch systemübergreifende Offerten gehören. Durch diese sowie beispielsweise durch die Kooperation mit Amann Girrbach (Pforzheim) befände sich Straumann auf dem Weg zu einem „alles unter einem Dach“-Komplettanbieters, so Benda. Augenfällig ist dies bereits heute durch eine umfangreiche Cares-Konnektivität mit Scannern wie von 3M, 3Shape oder Dental Wings oder dem künftigen Angebot eines Fräsgerätes mit Sinterofen für die Inhouse-Fertigung.

Nach Begrüßung und Veranstaltungseinführung war die Zeit für das fachliche Programm gekommen – moderiert von ZTM Thomas Lassen (Starnberg). Er stellte die neun Referenten vor ihrem jeweiligen Auftritt mit sehr persönlichen Worten vor und machte dadurch neugierig auf deren Vorträge und Präsentationen.

Solistische Leistungen im Zusammenhang sehen

Und so angekündigt betrat als erster Referent ZTM Thomas Meißner (Crimmitschau) das Podium. Mit seinem Thema „Vertrauen ist gut – CAD/CAM ist besser!“ gab er Einblick in seinen Arbeitsalltag als mittelständischer Laborunternehmer. Auch wenn er in diesem Alltag seinen Ergebnissen aus der Gusstechnik [ver-] traue, nutze er überwiegend die CAD/CAM-gestützte Fertigung für die Herstellung von individuellen Abutments – über Wax-ups in „backward“-Gestaltung – und Gerüsten. Er stellte die damit deutliche Vereinfachung von Arbeitsabläufen und eine Verbesserung der Ergebnisqualität heraus. Für Meißner steigt die Effizienz der digitalen Fertigung mit der Komplexität der Restauration. Im Bereich der Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt sieht er Vorteile durch einen verbesserten Informationsaustausch – wie beispielsweise in der Implantatprothetik, wo es möglich sei, in Echtzeit zu einer gemeinsamen Planungsabstimmung zu kommen.

Für Meißner ist die „klassische“ zahntechnische Ausbildung weiterhin wichtig, da in ihr essenzielle berufliche Grundlagen vermittelt werden. Doch sollten Auszubildende auch frühzeitig Aufgaben der digitalen Fertigung übernehmen können, um darin Sicherheit zu erlangen. Das zahntechnische Berufsbild wird sich durch die digitalen dentalen Verfahren verändern, ist sich Meißner sicher. So wie sich Prof. Dr. Martin Rosentritt (Universität Regensburg) in seinem Vortrag „Wie befestigen? Der Verbund im Fokus der Werkstoffkunde“ äußerte, hätte er als erster Referent sprechen müssen. Denn für ihn stehen die Überlegungen zur „richtigen“ Restaurationsbefestigung ganz am Anfang – und zwar der zahnärztlichen Indikation. So haben Kriterien wie Präparationswinkel, Verankerung (zahn- oder implantatgetragen) oder Werkstoffwahl (Metall, Keramik [welche] oder Kunststoff) nach seinen Worten Einfluss auf die Langlebigkeit von Befestigungen.

Weitere Einflussparameter sind Oberflächenbearbeitung sowie Objektreinigung und -konditionierung. Rosentritt sprach sich dafür aus, möglichst immer „Partnerprodukte“ für eine Befestigung zu wählen, da diese aufeinander abgestimmt sind und so zu guten Ergebnissen beitragen. Aber auch diese können negative Materialveränderungen erfahren, wenn sie „frei Hand“ angemischt werden. Durch angewärmtes Material findet eine Viskositätsverbesserung statt, durch die ein weitgehend lufteinschlussfreies Anmischen und Applizieren und ein verbessertes „Anfließen“ an das Substrat erzielbar ist.

Ein wichtiger Hinweis von Rosentritt betraf auch die Lichtpolymerisation. Sie sollte immer in Abhängigkeit von Keramikstärke und Befestigungswerkstoff gesehen werden. Darüber hinaus wird durch ein Bewegen der Lampe während der Lichtpolymerisation einer ungenügenden Werkstoffaushärtung durch gegebenenfalls unterschiedliche LED-Leistungen entgegen gewirkt.

Blick über den dentalen Tellerrand

  • Die Referenten standen „en bloc“ für Fragen und zur Diskussion zur Verfügung. Hier sind es (v. l.): ZTM Andreas Kunz (Berlin), ZA Dr. Kai Vietor (Langen), Prof. Dr. Martin Rosentritt (Erlangen), ZTM Thomas Meißner (Crimmitschau), Dirigent und Unternehmensberater Christian Gansch sowie der Moderator ZTM Thomas Lassen (Starnberg).

  • Die Referenten standen „en bloc“ für Fragen und zur Diskussion zur Verfügung. Hier sind es (v. l.): ZTM Andreas Kunz (Berlin), ZA Dr. Kai Vietor (Langen), Prof. Dr. Martin Rosentritt (Erlangen), ZTM Thomas Meißner (Crimmitschau), Dirigent und Unternehmensberater Christian Gansch sowie der Moderator ZTM Thomas Lassen (Starnberg).
Der Vortrag, der dann folgte, darf als außergewöhnlich bezeichnet werden. Mit ihm machte Straumann einen Blick über den „Tellerrand“ des dentalen unternehmerischen Alltags möglich – und verband so das Forummotto „Team & Taktgefühl“ auf faszinierende, nachhaltig beeindruckende Art. Unter dem Thema „Vom Solo zur Sinfonie – Was wir von einem Orchester lernen können“ sprach der Dirigent und Unternehmensberater Christian Gansch (München) brennend und gestenreich von der Orchesterarbeit in Proben sowie Aufführungen und garnierte dies mit Anekdoten aus dem Musikbetrieb. Darüber hinaus erläuterte er – dirigierend – das orchestrale Zusammenspiel auch während Musikeinspielern wie von Bill Brown, Anton Bruckner, Richard Strauss oder Richard Wagner.

Mit prägnanten Aussagen, wie „Vom ich zum wir“, „Handwerk – Präzision – Disziplin“, „Nuancen ändern das Gesamte“ oder „Kreativität entsteht, wenn man Unsicherheiten zulässt“ verband Gansch die Orchesterarbeit mit dem unternehmerischen Alltag. So mancher Teilnehmer dürfte dies in Bezug zu eigener (Zusammen-) Arbeit in/mit zahnärztlicher Praxis oder zahntechnischem Labor gebracht haben.

Durch diese fulminante Präsentation lag die Latte für den nächsten Vortragenden recht hoch. Doch Zahnarzt Dr. Kay Vietor (Langen) nahm durch Inhalt und Art zu seinen Ausführungen „Was haben Turnschuhe, Müsli und Abutments gemeinsam?“ die Teilnehmer sehr schnell für sich ein. Er löste diese Fragestellung mit Begriffen wie „Customised“ und „Individualität“ auf. Um individuelle prothetische Konzepte zu verfolgen, verband er über die Matrix „Abutmentform, Abutmentmaterial, Zahnersatzmaterial, Verblendung und Befestigungsart“ die diesbezüglichen umfangreichen Anwendungsmöglichkeiten. Hierdurch ergeben sich – ausgehend von der Abutmentform – verschiedene Konzept-„Wege“. Ein weiterer wichtiger Punkt war in seinem Vortrag das biologische und technisch-funktionelle sowie ästhetische Zusammenspiel, welches in Summe den zur Patientenzufriedenheit beitragenden Langzeiterfolg ausmacht. Für ihn können individuelle Abutments hierbei durchaus eines sein: die „Schnittstelle zum Erfolg!“

„Analog trifft Digital – komplexe Suprakonstruktionen im Vergleich“ wurden anschließend von ZTM Andreas Kunz (Berlin) betrachtet und vermittelt. Sein Credo dazu: „Analoge und digitale Verfahren laufen oft parallel oder miteinander ab. Eine Bewertung nach besser, gleich oder schlechter sollte eine tägliche Frage sein“. Um dies transparent zu machen, verglich er die Herstellung von Suprastrukturen über die Wege „Analog IN, Analog IN/Digital OUT, Digital IN & OUT“ und illustrierte dies durch exzellente Beispielabbildungen. Aus seiner Auflistung von „Prozessschritten, Dokumentation/Fotografie, Patientenanalyse, Auswertung „ästhetische Analyse, Implantationsplanung, Konstruktionsplanung, Langzeitprovisorien, Abutments/Teleskope und Stege“ lassen sich bis auf die Patientenanalyse alle digital darstellen. Die „take home message“ von Kunz: „Das zahntechnische Fachwissen ist gefragt mehr denn je, ohne zahntechnische Kompetenz ist der digitale Workflow schwer umsetzbar.“

Unter dem Rubrum „Technologie – Indikation – Integration, Lösungsansätze im digitalen Umfeld“ gab ZTM Ralph Riquier (Remchingen) einen Überblick über das Angebot dentaler digitaler Verfahren. Neben den Intraoralscannern (IOS) gehörten dazu alle Komponenten des CAD- und (subtraktiven) CAM-gestützten Arbeitens sowie des Additive Manufacturing. So stellte er beispielsweise heraus, welche Fertigungsoptionen und Präzisionsanforderungen für unterschiedliche prothetische Dentalwerkstoffe bestehen. Des Weiteren verband er in einer übersichtlichen Matrix die Indikationen mit Anforderungen an Scanner, Software und Fertigungsgerät. Sehr augenfällig wurde dadurch, dass, je komplexer die zu fertigenden Halbzeuge oder Restaurationen werden, die Anforderungen an die digitalen Komponenten oder Systeme steigen.

Vier seiner Botschaften sollen hier wortwörtlich zitiert werden: „Material und Indikation bestimmen die technischen Anforderungen“, „Intelligenter Einsatz von Maschinen heißt nicht zwangsläufig High-End-Equipment“, „Verbindung von digital und analog ist bei komplexen Prozessen essenziell“ und „Wissen zu digitalen Verfahren ermöglicht deren Einschätzung“.

Hohe Ergebnisqualität durch Teamwork ab der Planungsphase

Zu den Inhalten des Vortrags „Rekonstruieren im Grenzbereich – Rote und weiße Ästhetik“ ließen sich die Teilnehmer des Straumann Forums Zahntechnik von ZTM Vincent Fehmer (Universität Genf) faszinieren. Der Referent schilderte, welche ästhetischen Ergebnisse sich durch individuelle Implantate und ihre keramische Versorgung erzielen lassen. Durch die Unterstützung mit entsprechenden Abbildungen zeigte er, welche hohe Ergebnisqualität sich durch eine vertrauensvolle zahnärztliche und zahntechnische Zusammenarbeit – bereits in der Planungsphase – erzielen lässt. Fehmer ergänzte dies durch Betrachtungen zu den Restaurationskomponenten Abutment, Gerüst und Verblendung und gab anhand von Untersuchungsergebnissen Empfehlungen dazu. Für die Abutmentwahl seien dazu genannt: Keramikabutments, bei Mukosadicke kleiner 2 mm, anterior oder Prämolarenregion, bei hoher ästhetischer Erwartung – Titanabutments, bei Mukosadicke größer 2 mm, in Molarenregion, für Brücken.

Die nachfolgende Referentin war Michaela Ahrens (Liquident) aus dem ostfriesischen Rhauderfehn. In ihrem Vortrag „Den Letzten beißen die Hunde? Wer trägt die Differenz bei Beanstandungen der Kostenträger?“ brannte sie ein Feuerwerk an Informationen dazu ab, wie „zahnärztliche Gesundheitsbetriebe“ ihre Leistungen präsentieren und abrechnen können. Mit alltagsrelevanten Beispielen aus ihrer täglichen Beratungsarbeit wusste sie die Forumsteilnehmer schnell für sich einzunehmen. Aus der Fülle ihrer Ausführungen sei genannt, dass für sie „die eingehende Untersuchung (01/0010) […] der Marktplatz des zahnärztlichen Gesundheitsbetriebes [ist]. Hierbei stellt sich heraus, welche der zahnärztlichen Leistungen aus dem Leistungsangebot des zahnärztlichen Gesundheitsbetriebes benötigt werden“. Des Weiteren sieht sie den GOZ-§ 9 – Ersatz von Auslagen für zahntechnische Leistungen – als Schlüssel für die Abrechnung „besonderer“ Leistungen. Dieser Schlüssel scheint geeignet, große Gestaltungsräume zu öffnen.

Der Abschluss der Vorträge stand im Zeichen der Frage „PURE Keramik Implantat – Und was kommt darauf?“ und wurde von ZTM Joachim Maier (Überlingen) beantwortet. Er ging auf den biologischen und ästhetischen Benefit des keramischen Implantats ein und stellte Werkstoff- und Verblendvariationen für dessen Kronenversorgung vor. Für die Minimierung von Risikofaktoren gibt es für ihn sieben Schlüssel, wie „Materialwahl, gleichmäßige Verblendstärke, unterstützendes Gerüstdesign, Oberflächenqualität Zirkoniumdioxid, Brennprozess, okklusale Morphologie und Funktion sowie Oberflächenqualität Verblendkeramik“. Nach diesen Kriterien verblendet er Zirkoniumdioxid-Implantate „bei Bruxern“ nur mit Enamic (VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen), um die Dämpfungseigenschaften dieser Verblendkeramik zu nutzen. Maier forderte seine Zuhörer auf: „Werdet Spezialisten auf Eurem Materialgebiet und bleibt dabei“.

Zum guten Schluss

Die an Informationen und Emotionen reiche Veranstaltung klang mit einer „Highlighttour durch den Duisburger Landschaftspark“ sowie einem „Get together im Gebläsehallenkomplex“ aus.

Wer sich auch im kommenden Jahr für hochkarätige praxis- und laborrelevante Informationen interessiert, der sollte schon heute den Termin für das Straumann „Forum Zahntechnik“ 2016 in seinem Terminkalender notieren. Es ist für den 23. September geplant, an einem Veranstaltungsort, der noch bekannt gegeben wird.

Jürgen Pohling, Hamburg

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling

Bilder soweit nicht anders deklariert: Jürgen Pohling


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