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Teil 1: Festsitzende Versorgung

Meine Meisterprüfung

In der Prüfung wurde das Konzipieren und Fertigen einer festsitzenden Versorgung für den Oberkiefer verlangt.
In der Prüfung wurde das Konzipieren und Fertigen einer festsitzenden Versorgung für den Oberkiefer verlangt.

In diesem Beitrag und den folgenden stellt ZTM Sebastian Palm die fünf Prüfungsteile seiner praktischen Meisterarbeit dar. Von 2015 bis 2018 absolvierte er die Meisterausbildung am Institut des Zahntechnikerhandwerks in Niedersachsen, Hannover. Von nun an trägt er nicht nur den Meistertitel, sondern durfte als Bester seines Jahrgangs mit dieser Arbeit auch am Wettbewerb der Kanter-Stiftung teilnehmen. Der Klaus Kanter-Preis richtet sich exklusiv an die jeweils Jahrgangsbesten der Bundesrepublik – hier kann sich unser Autor über den dritten Platz freuen.

In den Prüfungen der Meisterschule Hannover kommt neben den praktischen Arbeiten der Materialdokumentation und dem Umsetzungskonzept ein hoher Stellenwert zu. Deshalb soll dieser Teil im Folgenden ebenfalls Berücksichtigung finden. Das Konzept umfasst für jede Prüfungsarbeit eine detaillierte Planung, die Lösungen von Alternativen sowie eine Preiskalkulation. Das Erstellen von Kostenvoranschlägen ist ebenfalls verpflichtend.

Festsitzende Versorgung

Bei der ersten hier beschriebenen Prüfungsarbeit stand eine festsitzende Versorgung im Mittelpunkt. Es handelte sich hierbei um eine Kronen-Brücken-Arbeit auf Stümpfen und einem Implantat. Anhand dieser Arbeit war gut zu erkennen, dass auch Metallkeramik und Vollkeramik gut miteinander harmonieren können. Abbildung 1a u. b zeigt die Ausgangssituation:

  • Im Oberkiefer wurden die Zähne 22, 11, 12, 13 und 16 präpariert.
  • In Region 21 war ein Implantat (Straumann Bone Level RC 4,1) inseriert worden.
  • Die Zähne 14, 15, 18 und 28 fehlten.
  • Der Unterkiefer war vollständig bezahnt und ohne Versorgungsbedarf.

Prüfungsvorbereitung

  • Abb. 1a u. b: Die Ausgangssituation: Arbeitsmodell und Gegenbiss.

  • Abb. 1a u. b: Die Ausgangssituation: Arbeitsmodell und Gegenbiss.
    © Palm
Vor Beginn der Allgemeinen Praktischen Prüfung wurde uns die Aufgabenstellung inklusive der Situationsmodelle ausgehändigt. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir noch vier bis sechs Wochen Zeit, bis die Prüfung begann. In dieser Zeit mussten die Prüfungsmodelle (vgl. Abb. 1), das Umsetzungskonzept und die Materialdokumentation erstellt werden. Im Umsetzungskonzept enthalten sein mussten die Beschreibung eines fiktiven Labors, die Kalkulation sämtlicher Preise, die Kostenvoranschläge und die Darstellung der fünf Prüfungsarbeiten.

Die Aufgabe für die erste Prüfungsarbeit bestand darin, Modelle mit Alveolarstümpfen aus Kunststoff anzufertigen. Außerdem sollten alle Stümpfe über eine Zahnfleischmaske verfügen, damit der genaue Sitz der fertigen Arbeit überprüft werden kann. Die Modellmontage musste eine Split-Cast-Kontrolle ermöglichen.

Kostenvoranschlag erstellen

Um einen genauen Kostenvoranschlag erstellen zu können, musste ein genauer Preis ermittelt werden. Dies funktioniert am besten mit der Zuschlagskalkulation.

Bei der Zuschlagskalkulation wird als Erstes der Fertigungslohn ermittelt, anschließend erfolgt die Berechnung der Zuschlagssätze. Zu guter Letzt ist es erforderlich, die Stunden bzw. den Minutenverrechnungssatz zu kalkulieren.

Als Kalkulationsgrundlage kann die BEB 97/2004 (Bundeseinheitliche Benennungsliste) verwendet werden. Es handelt sich hierbei um ein sehr ausführliches Verzeichnis zahntechnischer Leistungen mit ermittelten Zeitangaben der jeweiligen Positionen. Nur mittels einer exakten Zeitangabe lässt sich der Preis der einzelnen Positionen bzw. der Arbeiten genau kalkulieren. Dies ist möglich, indem die Planzeiten der BEB 97/2004 durch eigene Planzeiten ersetzt werden (Abb. 2).

  • Abb. 2: Zeitplanung während der Prüfung.
  • Abb. 3a u. b: Kostenvoranschläge.
  • Abb. 2: Zeitplanung während der Prüfung.
  • Abb. 3a u. b: Kostenvoranschläge.

Es ist nicht gerade wenig Arbeit, die Preise im Labor richtig zu kalkulieren (Abb. 3a u. b). Der Zahntechniker sollte sich dabei nicht auf den Marktpreis verlassen, da die Dentallabore mittlerweile sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Zum Beispiel haben große Fräslabore weniger Personal und somit weniger Personalkosten als ein mittelständisches Labor, in dem möglicherweise 25 Personen tätig sind. Somit kann ein Preis im Fräslabor ganz anders kalkuliert werden. Demzufolge bietet es sich an, sich bei einer Laborneugründung/Übernahme oder auch bei einem laufenden Labor für eine saubere, sprich konkurrenzfähige Kalkulation zu entscheiden; diese ist existenzentscheidend und muss daher durchgeführt werden.

Sehr zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang das Buch „Preiskalkulation für Zahntechniker“ von Thorsten Kordes [1]. Hier ist alles genauestens beschrieben, um eine exakte Preisermittlung durchführen zu können.

Aufgabenstellung – der Behandlerwunsch

Aufgabe für uns Prüflinge war es, ein individuelles Abutment mit Einbringhilfe auf dem Implantat in Region 21 herzustellen. Auf dem Abutment und auf den präparierten Zähnen 22 und 11 galt es, vollkeramische Kronen anzufertigen. Von 12 bis 16 sollte eine vollverblendete Metallkeramikbrücke umgesetzt werden.

Um die Stumpfdivergenz zwischen 16 und den Stümpfen 13 und 12 auszugleichen, war die Anfertigung eines Teilungsgeschiebes erforderlich. Um mehr Halt zu erreichen, sollte eine individuelle Verschraubung an das Teilungsgeschiebe angebracht werden.

Die Kronen an 12 und 13 sollten eine Keramikschulter bekommen. Ziel war es, auf diese Weise zu verhindern, dass nach eventuellem Zahnfleischrückgang im Frontzahnbereich Metallränder zu sehen sein könnten (Abb. 4a).

  • Abb. 4a: Die Aufgabenstellung.
  • Abb. 4b: Mitgelieferte Informationen zum Patienten.
  • Abb. 4a: Die Aufgabenstellung.
  • Abb. 4b: Mitgelieferte Informationen zum Patienten.

Die Gestaltung der gesamten Arbeit muss unter Beachtung von

  • biodynamischen,
  • parodontalhygenischen und
  • ästhetischen

Gesichtspunkten ein Optimum erreichen. Damit wir Prüflinge die hohen ästhetischen Ansprüche erfüllen können, liegen ein Patientenfoto und ein Schichtschema vor (Abb. 4b).

Materialplanung

Vor Beginn der Arbeit ist es generell sehr wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, welche Materialien in der Prüfung verwendet werden sollen. Zwei wichtige Aspekte spielen da eine große Rolle: die Zeit und die Verarbeitung während der Prüfung. Um auch den ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden, war es von Bedeutung, einen nicht sichtbaren Übergang zwischen der Metallkeramik und der Vollkeramik zu schaffen. Eine der Überlegungen mündete in die Frage, ob es eine Möglichkeit geben könnte, eine Verblendkeramik für beide Bereiche zu nutzen. Da das Brückengerüst aus einer hochgoldhaltigen Legierung und die Front aus einer Vollkeramik bestehen sollten, sah ich als beste Option diejenige, HeraCeramSun-Presskäppchen (Kulzer) zu fertigen und die komplette Arbeit mit der HeraCeramSun zu verblenden. Diese Variante sollte auch Zeit einsparen.

Herstellung

Da die Keramikkäppchen schon vorbereitet werden durften, musste zunächst das Metallgerüst an 12 und 13 hergestellt werden. Bei der Metallkeramik sollte das Gerüst eine gute Höckerunterstützung aufweisen. Außerdem wurde eine Metallgirlande angefertigt, um Chipping an den palatinalen Höckern zu verhindern. Der modifizierte Schröderzapfen mit einer individuellen Verschraubung wurde distal an Zahn 13 geplant, da die Verschraubung bei z.B. zu geringer Mundöffnung für einen Behandler am Zahn 16 schwerer zu lösen wäre. Die radialen Flächen des Zapfens wurden leicht abgeflacht, um eine Rotation zu vermeiden. Für die individuelle Verschraubung wurde ein 1,2 mm großes Loch gebohrt, um dann später nach dem Glanzbrand das 1,4-mm-Gewinde zu schneiden. Hier zeigte sich, dass die hochgoldhaltige Legierung die richtige Wahl gewesen ist, da bei einer edelmetallfreien Legierung die Gewindeschneider brechen würden.

Bevor der Rest des Metallgerüstes hergestellt werden kann, wurden 22 bis 13 verblendet und fertiggestellt. Der Grund dafür ist, dass der Schröderzapfen nach dem Glanzbrand auf Hochglanz poliert wird und das Gewinde anschließend eingedreht werden kann (Abb. 5).

  • Abb. 5: Modifizierter Schröderzapfen.
  • Abb. 6: Brückengerüst.
  • Abb. 5: Modifizierter Schröderzapfen.
  • Abb. 6: Brückengerüst.

Erst im Anschluss sollte mit der Matrize und dem Rest des Brückengerüstes begonnen werden, denn nur auf diese Weise ist eine gute Passung der Matrize möglich (Abb. 6). Würde der Rest des Gerüstes vor dem Verblenden hergestellt, müssten die Oxide nach jedem Brand auf dem Schröderzapfen entfernen werden. Somit würde aber der Spalt des Teilungsgeschiebes größer werden, dadurch hätte die ganze Konstruktion zu viel Spiel und die Brücke könnte sich lockern.

Der Glanzbrand wurde bei niedrigerer Temperatur durchgeführt, als es der Hersteller angegeben hat. Ziel war es, auf diese Weise die Oberflächenstruktur zu erhalten – später sollte die Arbeit mit einer Diamantpolierpaste auf den gewünschten Glanzgrad poliert werden. Eine Glasurmasse wurde ebenso wenig verwendet, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Struktur nicht erhalten bleibt, dann ebenfalls sehr groß ist. Zudem ist die Glasurmasse eine noch niedriger sinternde Keramik als die Schichtkeramik. Das bedeutet, dass Trennstellenbildner (Natriumionen) der Keramik hinzugefügt werden, um die Sintertemperatur zu senken. Diese sitzen dann teilweise an der Oberfläche der Keramik und können später durch den Speichel herausgelöst werden. Dadurch wird die Oberfläche weicher und anfällig für Verfärbungen, Plaque und Zahnstein.

Weitere erforderliche Arbeiten

Sämtliche Arbeitsschritte wurden für die Dokumentation mit einer Stoppuhr festgehalten, die Zeiten dann übertragen und nachkalkuliert. Die Nachkalkulation sollte möglichst nicht stark von dem Kostenvoranschlag abweichen. Grund hierfür war, dass dies zu einer gewissen Unglaubwürdigkeit führen könnte. Bei zu starker Abweichung vom Kostenvoranschlag wäre eine gute Begründung vor der Prüfungskommission erforderlich gewesen. Man muss also seinen Zeitbedarf für die einzelnen Arbeitsschritte gut kennen. Sämtliche Schritte in der Prüfung mussten zusätzlich in Form von Fotos festgehalten werden, die für die spätere Präsentation im Fachgespräch genutzt werden konnten. In diesem Prüfungsgespräch geht es stets darum, dem Prüfungsausschuss Rede und Antwort zu stehen, aber auch darum, diesen von der eigenen Arbeit einschließlich der verwendeten Materialien zu überzeugen.

Der Fall aus der Rückschau

Der erste Teil meiner praktischen Prüfung war insgesamt gut geplant und vorbereitet gewesen. Die vorgesehenen Zeitspannen haben sich als ausreichend erwiesen, die theoretischen Inhalte, wie z.B. die Preiskalkulation, sind berufsbezogen und spielen für die Tätigkeit als Zahntechnikermeister eine bedeutende Rolle.

  • Abb. 7a–f: Impressionen der fertiggestellten festsitzenden Versorgung.

  • Abb. 7a–f: Impressionen der fertiggestellten festsitzenden Versorgung.
    © Palm
Allgemein gesehen war die Realisierung der Aufgaben sehr erfolgreich (Abb. 7a–f). Kleine Verzögerungen entstanden lediglich dadurch, dass ich eine Vollkeramikkrone neu fertigen musste, da sich nach dem zweiten Dentinbrand ein Riss in der Krone befand. Auch die Effektmassen in der Front sind nicht ganz so wie erwartet herausgekommen. Da in der Prüfung neue Materialien getestet wurden, sind geringfügige Abweichungen vom geplanten Resultat allerdings nicht immer zu vermeiden. Jedoch bildeten gerade diese Umstände eine gute alltagsorientierte Übung, denn auch im normalen Laboralltag haben Zahntechniker so gut wie nie den idealen Patientenfall – und es muss auch hier stets das Beste aus der Situation herausgeholt werden.

Bei den hergestellten Modellen, die von der Meisterschule erworben wurden, erwies es sich als zusätzliche Herausforderung, dass die Stümpfe im Verhältnis zu den Zähnen im Situationsmodell im zervikalen Bereich zu klein waren. Das war zwar nicht sehr praxisnah, bot jedoch Stoff für eine willkommene Lektion, weil – wie gesagt – auch im normalen Laboralltag kaum der ideale Patientenfall anzutreffen ist. Da die Stümpfe zu klein waren, mussten die Kronen im zervikalen Bereich sehr breit gestaltet werden, um große Lücken in den Interdentalbereichen zu vermeiden.

Außerdem war gefordert gewesen, dass die Präparationsgrenze am Abutment im vestibulären Bereich 2 mm subgingival liegt. Da Vollkeramik adhäsiv befestigt werden sollte bzw. muss, ist eine Tiefe von 2 mm in der Regel von Nachteil, weil es für den behandelnden Zahnarzt schwierig ist, die adhäsiven Reste zu entfernen. Im schlimmsten Fall könnte hier eine Periimplantitis entstehen, was zum Verlust des Implantates führen kann.

Das während des ersten Prüfungsteils erworbene Knowhow ist, zusammenfassend betrachtet, für den täglichen Arbeitsalltag unabdingbar. Der hier vorgestellte Prüfungsteil war daher eine gute Möglichkeit, das eigene Können – auch unter erschwerten Bedingungen – zu erproben und unter Beweis zu stellen.

[1] Thorsten Kordes: Preiskalkulation für Zahntechniker. Unternehmenszahlen erkennen, analysieren, anwenden. 216 Seiten. Verlag Neuer Merkur. ISBN 978-3- 95409-015-0.

Teil 2 finden Sie ab Ende Mai hier online.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Sebastian Palm



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